Bitte Anklicken - Sie finden hier Informationen zur Schwanenfibel

Verein für Heimatkunde
im Raum Scharnebeck e.V.

Startseite   über den Verein   Heimat-Kalender   Impressum/Quellenverzeichnis

Ansprechpartner:
Volkskunde:
Joachim Pflücker
Tel:  04136 -  606
Vor- und Frühgeschichte:
Christian Krohn
Tel: 04136 - 7141
Fax: 04136 - 1668
Geologie:
Peter Laging
Tel:  04136 - 8021

 

Lesen Sie hier in Auszügen aus dem Heimatkalender:

Geschichte zur Scharnebecker Läuteglocke von St. Marien
Text und Bild: Willi Sgodzaj, Scharnebeck - erschienen im Heimatkalender 2000

Dem großen Glockensterben entgangen
Am 15. März 1940 wurde das große Glockensterben eingeläutet.
Da erließ die Regierung des Deutschen Reiches in Gestalt von Generalfeldmarschall Göring die "Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes über die Erfassung von Nichteisenmetallen".

Um die für eine Kriegsführung auf lange Sicht erforderliche Metallreserve zu schaffen, mussten u.a. alle Glocken aus Bronze erfasst und "unverzüglich der deutschen Rüstungsindustrie dienstbar" gemacht werden.
In Folge traf dann das Reichswirtschafts-Ministerium die zur Durchführung erforderlichen Bestimmungen.
Dieses teilte die Glocken unter Mithilfe des Konservators der Kunstdenkmäler im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in die Gruppen A, B, C und D ein.
Danach waren D-Glocken "von ganz überragendem geschichtlichem oder künstlerischem Wert", B- und C-Glocken "historisch oder künstlerisch wertvoll". Glocken der Gruppe A wurden sofort der Verhüttung zugeführt.

Die B- und C- Glocken wurden zunächst in Sammellagern abgestellt, um sie dann je nach Bedarf zur Verhüttung abzurufen. Die Einreihung von Glocken in die Gruppe D bedurfte der Zustimmung des Beauftragten für den Vierjahresplan Generalfeldmarschall Göring.
Von ihm heißt es, er hätte am liebsten nur zehn bis zwölf Glocken im Deutschen Reich behalten.

Vor Ort wurden die Kreishandwerkerschaften mit dem Sammeln der Glocken und dem Verladen auf  Schiffe und Güterzüge beauftragt.

Eine Glockenwanderung begann im Deutschen Reich, deren Ziel in den meisten Fällen der Hamburger Hafen war. A-Glocken wurden sofort zu den beiden Hamburger Hüttenwerken gebracht und zerstört. Die Reserveglocken landeten im Freihafen.

Am Ende des Krieges lagerten dort noch rund 16.000 nicht verhüttete Glocken, aus Platzmangel teilweise übereinander gestapelt - ein endloses Feld grauer Kolosse. Fast 43.000 deutsche Glocken waren während des Krieges Opfer der Rüstungsindustrie geworden.

Und was ist aus den Scharnebecker Glocken geworden?
Sie sind dem großen Glockensterben des Zweiten Weltkrieges entkommen.
Die "Katherina" wurde auf Antrag der ev.-luth. Landeskirche Hannover durch die Reichsstelle für Metalle in die Gruppe D eingereiht - sie wurde damit von der Ablieferungspflicht befreit und blieb im Turm der St. Marienkirche hängen.
Auch die Betglocke von 1607, eine "C-Glocke", verblieb zunächst und später endgültig im Kirchenturm.
Die jüngste der drei Glocken, die Läuteglocke von 1772, eine "B-Glocke", musste abgeliefert werden.

Wilhelm Goedecke aus Echem und Willi Burmester jun. aus Erbstorf waren beim Abhängen der Läuteglocke dabei und erinnern sich heute noch genau daran, mit welchen einfachen und "primitiven Mitteln" die Glocke vom Turm nach unten gebracht wurde (moderne Lasten- und Hebekräne gab es damals nicht).
Da hat man es sich während des I. Weltkrieges scheinbar einfacher gemacht - Wilhelm Goedecke: "Mir erzählte damals Oskar Jäger, dass die Glocke zum Einschmelzen abgenommen worden war, und da hat man sie einfach vom Turm geworfen, dabei soll sie am Rande beschädigt worden sein."

Läuteglocke der Marienkirche in Scharnebeck (Niedersachsen)

Der Termin für den Ausbau der Glocken (Gruppe A, B, C) wurde zunächst bis zum 1. Juni 1940 hinausgeschoben.
Das Landeskirchenamt betrachtete es damals als wünschenswert, wenn die Kirchengemeinden eine Art Glockenabschiedsfeier veranstalten würden.
Mit Schreiben des Landeskirchenamtes vom 30.10.1940 wurde der Ausbau der A-, B- und C-Glocken bis auf weiteres zurückgestellt. Aber im November 1941 war es dann soweit. Das Landeskirchenamt in Hannover teilte mit, dass der Beginn der Abnahme der Bronzeglocken auf den 12. November 1941 festgesetzt war. Ob in Scharnebeck eine Glockenabschiedsfeier stattgefunden hat, konnte nicht festgestellt werden.

Wilhelm Goedecke aus Echem war auch wieder dabei, als die Läuteglocke, es war im Dezember 1947, zugesandt durch den "Ausschuss für die Rückführung der Kirchenglocken" in Hamburg, im Turm wieder aufgehängt wurde.
Die Glocke war in Hamburg wiedergefunden worden und durch den genannten Ausschuss nach Scharnebeck geschickt worden. Der damalige Pastor Fricke bedankte sich bei allen Helfern, die beim Aufhängen der Glocke geholfen hatten noch im Kirchenturm, und dort stimmten die Anwesenden auch in das Lied "Nun danket alle Gott" ein.

Freuen wir uns heute darüber, dass die Glocken der St. Marienkirche in Scharnebeck nicht wie so viele Glocken anderer Gemeinden dem großen Glockensterben anheim gefallen sind, sondern weiterhin ihren Dienst versehen.

 

Lesen Sie hier einen weiteren Auszug aus dem Heimatkalender:

Die Schwanenfibel

 

Copyright Scharnebecker © 11/1999-2008
pp-websites, P.Pumm

Senden Sie E-Mails mit Vorschlägen oder Kommentaren zu dieser Website an:
scharnebecker@scharnebecker.de

Scharnebecker - Informationen, Freizeit, Leben und Arbeiten in Scharnebeck - Eine Gemeinde stellt sich vor


Besucher seit dem 14.11.99
Stand: 30. Juni 2008