Lesen Sie hier in Auszügen
aus dem Heimatkalender:
Geschichte zur
Scharnebecker Läuteglocke von St. Marien
Text und Bild: Willi Sgodzaj, Scharnebeck - erschienen im
Heimatkalender 2000
Dem großen Glockensterben entgangen
Am 15. März 1940 wurde das große Glockensterben eingeläutet.
Da erließ die Regierung des Deutschen Reiches in Gestalt von Generalfeldmarschall Göring
die "Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes über die Erfassung von
Nichteisenmetallen".
Um die für eine Kriegsführung auf lange Sicht erforderliche
Metallreserve zu schaffen, mussten u.a. alle Glocken aus Bronze erfasst und
"unverzüglich der deutschen Rüstungsindustrie dienstbar" gemacht werden.
In Folge traf dann das Reichswirtschafts-Ministerium die zur Durchführung erforderlichen
Bestimmungen.
Dieses teilte die Glocken unter Mithilfe des Konservators der Kunstdenkmäler im
Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in die Gruppen A, B, C und
D ein.
Danach waren D-Glocken "von ganz überragendem geschichtlichem oder künstlerischem
Wert", B- und C-Glocken "historisch oder künstlerisch wertvoll". Glocken
der Gruppe A wurden sofort der Verhüttung zugeführt.
Die B- und C- Glocken wurden zunächst in Sammellagern abgestellt, um
sie dann je nach Bedarf zur Verhüttung abzurufen. Die Einreihung von Glocken in die
Gruppe D bedurfte der Zustimmung des Beauftragten für den Vierjahresplan
Generalfeldmarschall Göring.
Von ihm heißt es, er hätte am liebsten nur zehn bis zwölf Glocken im Deutschen Reich
behalten.
Vor Ort wurden die Kreishandwerkerschaften mit dem Sammeln der Glocken
und dem Verladen auf Schiffe und Güterzüge beauftragt.
Eine Glockenwanderung begann im Deutschen Reich, deren Ziel in den
meisten Fällen der Hamburger Hafen war. A-Glocken wurden sofort zu den beiden Hamburger
Hüttenwerken gebracht und zerstört. Die Reserveglocken landeten im Freihafen.
Am Ende des Krieges lagerten dort noch rund 16.000 nicht verhüttete
Glocken, aus Platzmangel teilweise übereinander gestapelt - ein endloses Feld grauer
Kolosse. Fast 43.000 deutsche Glocken waren während des Krieges Opfer der
Rüstungsindustrie geworden.
Und was ist aus den Scharnebecker Glocken geworden?
Sie sind dem großen Glockensterben des Zweiten Weltkrieges entkommen.
Die "Katherina" wurde auf Antrag der ev.-luth. Landeskirche Hannover durch die
Reichsstelle für Metalle in die Gruppe D eingereiht - sie wurde damit von der
Ablieferungspflicht befreit und blieb im Turm der St. Marienkirche hängen.
Auch die Betglocke von 1607, eine "C-Glocke", verblieb zunächst und später
endgültig im Kirchenturm.
Die jüngste der drei Glocken, die Läuteglocke von 1772, eine "B-Glocke",
musste abgeliefert werden.
Wilhelm Goedecke aus Echem und Willi Burmester jun. aus
Erbstorf waren beim Abhängen der Läuteglocke dabei und erinnern sich heute noch genau
daran, mit welchen einfachen und "primitiven Mitteln" die Glocke vom Turm nach
unten gebracht wurde (moderne Lasten- und Hebekräne gab es damals nicht).
Da hat man es sich während des I. Weltkrieges scheinbar einfacher gemacht - Wilhelm
Goedecke: "Mir erzählte damals Oskar Jäger, dass die Glocke zum Einschmelzen
abgenommen worden war, und da hat man sie einfach vom Turm geworfen, dabei soll sie am
Rande beschädigt worden sein." |

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Der Termin für den Ausbau der Glocken
(Gruppe A, B, C) wurde zunächst bis zum 1. Juni 1940 hinausgeschoben.
Das Landeskirchenamt betrachtete es damals als wünschenswert, wenn die Kirchengemeinden
eine Art Glockenabschiedsfeier veranstalten würden.
Mit Schreiben des Landeskirchenamtes vom 30.10.1940 wurde der Ausbau der A-, B- und
C-Glocken bis auf weiteres zurückgestellt. Aber im November 1941 war es dann soweit. Das
Landeskirchenamt in Hannover teilte mit, dass der Beginn der Abnahme der Bronzeglocken auf
den 12. November 1941 festgesetzt war. Ob in Scharnebeck eine Glockenabschiedsfeier
stattgefunden hat, konnte nicht festgestellt werden.
Wilhelm Goedecke aus Echem war auch wieder dabei, als die Läuteglocke,
es war im Dezember 1947, zugesandt durch den "Ausschuss für die Rückführung der
Kirchenglocken" in Hamburg, im Turm wieder aufgehängt wurde.
Die Glocke war in Hamburg wiedergefunden worden und durch den genannten
Ausschuss nach
Scharnebeck geschickt worden. Der damalige Pastor Fricke bedankte sich bei allen Helfern,
die beim Aufhängen der Glocke geholfen hatten noch im Kirchenturm, und dort stimmten die
Anwesenden auch in das Lied "Nun danket alle Gott" ein.
Freuen wir uns heute darüber, dass die Glocken der St. Marienkirche in Scharnebeck
nicht wie so viele Glocken anderer Gemeinden dem großen Glockensterben anheim gefallen
sind, sondern weiterhin ihren Dienst versehen.
Lesen Sie hier einen weiteren Auszug
aus dem Heimatkalender: